Fr-So, 20.-22.4.2018 – Urmia-Marivan-Paveh-Kermanshah (Kordestan)

Los ging es am Freitag nach Kordistan: eine wirklich sehr schöne Gegend mit unglaublich lieben Menschen!

Erst mal eine Wassermelone auf der Strasse kaufen: es gibt hier ganze Laster voll!

Die Felder werden bis hoch auf den Berg bewirtschaftet: das gibt den Hügeln herrliche Muster!

Freitag ist hier der Sonntag: die Iraner (wie auch die Türken) lieben es, am Weekend zu Picknicken: dafür fahren sie hinaus in solch schöne Orte wie hier, die Picknicken aber auch auf dem kleinen Stück Rasen zwischen zwei Strassen.

Sonntags wird auch mal das Auto im Fluss geputzt;-)

Wir waren mehr gefahren als gedacht: kurz vor unserem Tagesziel nochmals hingesetzt und Aussicht genossen…

In Marivan angekommen merkten wir bald, dass in unserem Hotel eine Party stattfinden wird: eine kurdische Hochzeit, zu dessen Tanz wir sofort eine geladen wurden. Erst um 10 gings los: Männer sassen rechts auf den Tribüne, die Frauen links.

Erst tanzten die Männer im Kreis zu lauter Musik…

Danach waren die Frauen an der Reihe:

Zum Schluss dann noch eine Spezial-Performance, wo den Brautleuten verschiedene symbolische Geschenke überreicht wurden.

Zu diesen Kreistänzen unglaublich laute Musik. Und die Tsnzbewegung immer das Gleiche: kleine Schritten vor und zurück, dann leicht nach rechts. Wie viele Männer/Frauen im Kreis tanzten änderte dauernd. Es gibt vorgeschriebene Reihenfolgen: die eine Familie, dann die andere dazu, dann weiter entfernte Verwandte. Irgendwann kam bei den Frauen das Brautpaar dazu, da mussten sich dann Mutter und Schwiegermutter usw direkt bei ihnen Einreichen etc..

So geht das etwa 2 Std. Sehr farbenfroh sind die Frauen gekleidet: Puffhosen unter Düllstoffrock. Die Kopftücher so unterschiedlich wie die Frauen: die einen streng, andere lockerer. Einer jungen Frau ist es beim Tanzen immer wieder runtergefallen bis sie es schlussendlich gar nicht mehr aufhatte..

Eine Kurdische Hochzeit so Life mitzuerleben war echt toll! Hier gibt es offenbar kein grosse religiöse Zeremonie. Auch ist es so, dass nur bei den Kurden getanzt wird.

Die Männer tragen übrigens wirklich immer solche Pluderhosen, nicht nur zur Hochzeit:-)

Am Morgen dann die Bescherung: Sand aus dem Irak lag über der ganzen Gegend – so auch auf Franz-Ferdinand und Heidi…

Leider lag den ganzen Tag Sand in der Luft: im Sommer kommt dies immer mal wieder vor – aber im April ist dies eher ungewöhnlich.

Trotzdem war es einfach herrlich, die Strecke nach Paveh zu fahren. Leider können die Bilder das gar nicht gebührend zeigen… Auf den ersten Bild fahren wir in diese Schlucht hinein: herrlich!

Uraman-Takht: wirklich wunderschön!

Den hiesigen Friedhof besuchen aufgrund einer Legende jährlich viele Kurden, welche hier Tücher aufhängen: jeder Bendel ist ein Wunsch.

Dieser Pass führte uns nach Belbar hinunter: was für ein Spektakel! Man sieht bei genauem hinschauen die Trassen der Zickzackstrasse von unten mit Blick nach oben.

Plötzlich ging der Weg in eine Schotterpiste über… Die sich endlos um den Hügel schlängelte: hoch und runter über 100te Kurven… Und dann kamen wir runter zum Wasser – wie herrlich! Von hier ging es durch etwa 8 unbeleuchtete und teils stockdunkle Tunnel. Das GPS hat uns schon früher verlassen… Die Strasse war in open-Street-Map so eingetragen, dass wir auf dem Navigator auf dem breiten Fluss fuhren:-) Manchmal waren Strassen auch gar nicht eingetragen – später erfuhren wir, dass das GPS-Signal im Iran (absichtlich?) ungenauer übertragen wird…

Nach den ganzen Tunneln verstanden wir, warum es in dem Tal überhaupt Wasser hat: ein riesiger Staudamm

Sitzklo-Aufsatz für Westler in unserem Hotelzimmer:-)

Sonntags hatten wir nur ein kurzes Stück zu fahren: zum Glück! Es schüttete als gäbs kein Morgen… Es hatte während einem km auf 1700 müM sogar Hagel-Matsch auf der Strasse: was für eine Rutschpartie… Sogar die Iraner fuhren wirklich langsam, während ich im Schritttempo der freien Spurrinne folgte.

Bei unserer Frühstücks-Pause waren die Männer wieder wirklich herzlich! Wir durften weder das süsse Konfekt noch den extra für uns besorgten Tee vom Nachbarhaus bezahlen. Dafür wurden wir gleich von 2 Familien zum Lunch/Übernachten eingeladen… Wir lehnten dankend ab, was wir im nachhinein bereuten: vielleicht hätten wir hier leckeres Persisches essen bekommen: denn dieses haben wir bisher nicht gefunden: in Restaurants wird nur „Kebab“ (= Fleisch oft an Spuesschen über Gas gekocht) serviert: dazu trockener Reis und Fladenbrot: keine Sauce, keine Vegetarische Varianten… Jochen verzichtete immer wieder in der Hoffnung auf was vegetarisches: musste bisher aber kapitulieren und ernährt sich fast nur von Brot zur Zeit…

Klitschkos in Kermanshah angekommen fanden wir ein Hotel mit einem Iraner, welcher 8 Jahre in Köln gelebt hat und wirklich gutes Deutsch und English spricht.

Diese Stadt war nach dem farbenfrohen Kordistan ein kleiner Tiefschlag: konservativ mit hauptsächlich schwarz gekleideten Frauen, die nicht mit uns reden..

So gönnten wir uns an diesem Nachmittag eine Pause und Kleiderwaschen:-)

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4 Kommentare zu „Fr-So, 20.-22.4.2018 – Urmia-Marivan-Paveh-Kermanshah (Kordestan)

  1. Hat dies auf Persophonie: Kultur-Geschichte rebloggt und kommentierte:
    Heute habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie.
    Die schlechte Nachricht ist:
    Da ich mal wieder für eine Semester eine Professur vertrete (dieses Mal in Tübingen), bin ich seit Semesterbeginn noch knapper mit der Zeit als sonst immer. 😉
    Die gute Nachricht hat zwei Teile:
    1) Ich experimentiere wie üblich mit Unterrichtsformaten und behandle in einem Seminar „Problemfelder der Islamwissenschaft“ – oder besser: Ich lasse die Studenten ihren Interessen entsprechend einige dieser Problemfelder bearbeiten. Das wird sehr spannend werden. Deshalb werde ich Ihnen über einige unserer Diskussionen berichten. Vielleicht können wir sie ja hier fortführen.
    2) Heute möchte ich Ihnen einen Blog mit faszinierenden Berichten und eindrucksvollen Bildern von einer Motorradreise nach Iran vorstellen. Ich hoffe, Sie haben Freude an dem Beitrag, den ich ausgesucht habe.
    Nur damit keine Mißverständnisse entstehen: Selbstverständlich wird in Iran auch auf nicht-kurdischen Hochzeiten getanzt. Allerdings nicht unbedingt die unter Kurden üblichen Kreistänze, die den Vorteil haben, daß man leicht mitmachen kann.
    Ach ja, und schauen Sie sich das Bild vom Badezimmer in einem der Hotels an! Das ist tatsächlich eine gängige Lösung für Leute, die aus welchen Gründen immer (manche Menschen sind z.B. im höheren Alter nicht mehr so beweglich) nicht mit den nach wie vor verbreiteten Plumpsklos zurechtkommen.
    Viel Vergnügen beim Lesen und bis bald! 🙂

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